Alle Artikel

Versicherungen für Selbstständige: Was du wirklich brauchst (CH/DE/AT)

Versicherungen für Selbstständige: Was du wirklich brauchst (CH/DE/AT)

Du hast dich selbstständig gemacht. Die ersten Kunden kommen rein. Das Geld fliesst. Und dann passiert's: Ein Fehler im Projekt, ein Unfall, eine lange Krankheit. Ohne die richtigen Versicherungen kann das dein Business ruinieren – und dein Privatleben gleich mit.

Das Problem: Je nach Land gelten komplett andere Regeln. Was in der Schweiz Pflicht ist, ist in Deutschland freiwillig. Was in Österreich automatisch läuft, musst du in der Schweiz selbst organisieren. Verwirrend? Absolut. Deshalb hier der klare Überblick.

Pflichtversicherungen: Was du haben MUSST

Fangen wir mit dem Nicht-Verhandelbaren an. Diese Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben.

Schweiz

  • AHV/IV/EO: Obligatorisch. Du zahlst als Selbstständiger beide Anteile (Arbeitgeber + Arbeitnehmer) selbst. Je nach Einkommen zwischen 5,371% und 10%.
  • Krankenversicherung: Pflicht für alle. Vergiss nicht, die Unfalldeckung einzuschliessen – als Angestellter war das automatisch dabei, als Freelancer nicht mehr.
  • Unfallversicherung: Nur Pflicht, wenn du eine GmbH oder AG hast. Als Einzelfirma musst du dich selbst darum kümmern.

Deutschland

  • Kranken- und Pflegeversicherung: Die einzige allgemeine Pflichtversicherung. Du wählst zwischen GKV (gesetzlich) und PKV (privat). Tipp: Rechne langfristig. Die PKV ist jung günstig, wird aber im Alter teurer.
  • Rentenversicherung: Nur Pflicht für bestimmte Berufsgruppen – Handwerker, Lehrer, Hebammen, Künstler (über die KSK). Alle anderen: freiwillig, aber dringend empfohlen.
  • Berufshaftpflicht: Gesetzlich vorgeschrieben für Kammerberufe (Ärzte, Anwälte, Architekten, Steuerberater).

Österreich

  • SVS (Sozialversicherung der Selbständigen): Sobald dein Jahresgewinn über 6.613,20 Euro liegt (Stand 2026), bist du pflichtversichert. Das umfasst Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung in einem Paket.
  • Mindestbeitrag: Rund 1.930 Euro pro Jahr – egal ob du Gewinn oder Verlust machst.
Achtung Österreich

Meldest du dich nicht rechtzeitig bei der SVS, droht ein Strafzuschlag von 9,3%. Du hast nach Erhalt des Einkommensteuerbescheids nur acht Wochen Zeit.

Die «Sollte-ich-haben»-Versicherungen

Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber ein Fehler, wenn du sie weglässt.

Berufshaftpflicht / Betriebshaftpflicht

Die wichtigste freiwillige Versicherung überhaupt. Sie schützt dich, wenn du einem Kunden Schaden zufügst – ob durch einen Fehler im Code, ein falsches Design oder eine verpasste Deadline.

Ein paar Zahlen zur Einordnung:

Schadensfälle aus der Praxis
Webentwickler liefert fehlerhafte E-Commerce-Lösung → **14.
000 Euro** Schadenersatz
IT-Berater empfiehlt falsche Software → Umstellungskosten von **85.
000 Euro**
Über **80% aller IT-Schadensfälle** sind reine Vermögensschäden (kein Sach- oder Personenschaden)

Die Kosten? Überschaubarer als du denkst. Ein Freelance-Programmierer zahlt ab ca. 25 Euro pro Monat. Ein Webdesigner mit 120.000 Euro Umsatz liegt bei rund 50 Euro monatlich.

Und ja: Viele Auftraggeber – besonders grössere Unternehmen – verlangen inzwischen einen Nachweis, bevor sie dich beauftragen.

Krankentagegeld / Erwerbsausfallversicherung

Als Angestellter hast du Lohnfortzahlung bei Krankheit. Als Freelancer: nichts. Null. Nada.

Stell dir vor, du brichst dir die Hand und kannst sechs Wochen nicht arbeiten. Oder du wirst ernsthaft krank und fällst drei Monate aus. Ohne Krankentagegeld-Versicherung hast du in dieser Zeit kein Einkommen – aber die Miete, Krankenkasse und SVS-Beiträge laufen weiter.

Faustregel Krankentagegeld

Versichere mindestens 80% deines durchschnittlichen Monatseinkommens. Wähle eine Karenzfrist von 30 Tagen – das senkt die Prämie deutlich, und einen Monat kannst du normalerweise aus Rücklagen überbrücken.

Vorsorge / Altersvorsorge

In der Schweiz ist die Säule 3a ein Muss. Als Selbstständiger ohne Pensionskasse kannst du 2026 bis zu CHF 36.288 pro Jahr einzahlen – und das komplett von den Steuern abziehen. In Deutschland gibt's die Rürup-Rente als steuerlich attraktive Option. In Österreich ist die Pensionsversicherung über die SVS zwar Pflicht, deckt aber oft nicht genug ab.

Was du dir sparen kannst

Nicht jede Versicherung ergibt Sinn. Ein paar Klassiker, die Versicherungsberater gerne verkaufen, du aber oft nicht brauchst:

Versicherungen: Brauchst du / Brauchst du nicht
Vorteile
    Nachteile

      Der 5-Schritte-Plan für deinen Versicherungscheck

      So gehst du vor
      1
      Prüfe deine Pflichten
      : Was ist in deinem Land gesetzlich vorgeschrieben? Das erledigst du zuerst.
      2
      Risiken bewerten
      : Was ist dein grösstes berufliches Risiko? Haftung gegenüber Kunden? Ausfall durch Krankheit?
      3
      Berufshaftpflicht abschliessen
      : Für die meisten Freelancer der wichtigste Schritt nach den Pflichtversicherungen.
      4
      Erwerbsausfall absichern
      : Krankentagegeld mit 30 Tagen Karenzfrist – der beste Kompromiss aus Kosten und Schutz.
      5
      Altersvorsorge starten
      : Nicht irgendwann. Jetzt. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich im Alter tausende Franken/Euro.

      Länderspezifische Besonderheiten

      Ein paar Dinge, die man leicht übersieht:

      Schweiz: Als Einzelfirma bist du persönlich haftbar – mit deinem gesamten Privatvermögen. Eine Betriebshaftpflicht ist hier kein Luxus, sondern Überlebensstrategie.

      Deutschland: Die Künstlersozialkasse (KSK) ist ein echtes Geschenk für kreative Freelancer. Designer, Texter, Fotografen – wer dort reinkommt, zahlt nur die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Den Rest übernimmt die KSK.

      Österreich: Die SVS bietet mit «SVS Gesundheitshunderter» Zuschüsse für Gesundheitsvorsorge. Nutzen das die wenigsten? Ja. Solltest du es trotzdem tun? Absolut.

      Das Wichtigste in 30 Sekunden
      • Pflichtversicherungen sind je nach Land unterschiedlich – informier dich vor der Gründung
      • Berufshaftpflicht ist fast immer die wichtigste freiwillige Versicherung
      • Krankentagegeld schützt dich vor dem grössten Risiko: kein Einkommen bei Krankheit
      • Altersvorsorge jetzt starten, nicht «irgendwann»
      • Nicht alles versichern – nur die Risiken, die dich finanziell ruinieren können

      Versicherungen sind kein sexy Thema. Aber sie sind der Unterschied zwischen «kurzer Rückschlag» und «Business am Ende». Nimm dir einen Nachmittag, geh die Liste durch, und dann hak das Thema ab. Dein zukünftiges Ich wird dir danken.

      Bereit für deine eigene Webseite?

      Trag dich auf die Warteliste ein und erhalte als Erstes Zugang zu Mavizand.