Einzelfirma, GmbH, UG oder AG? Welche Rechtsform wirklich zu dir passt
Du willst gründen. Deine Idee steht. Und dann kommt diese eine Frage, die viele Gründerinnen und Gründer tagelang beschäftigt: Welche Rechtsform nehme ich?
Einzelfirma? GmbH? UG? Vielleicht doch gleich eine AG? Die Antwort hängt davon ab, was du vorhast, wie viel Geld du mitbringst und wie viel Risiko du tragen willst. Hier bekommst du den Überblick – ohne Juristendeutsch, dafür mit konkreten Empfehlungen.
Warum die Rechtsform so wichtig ist
Die Rechtsform ist nicht bloss ein Formular beim Amt. Sie bestimmt drei Dinge, die dein gesamtes Unternehmerleben beeinflussen:
- Haftung – Riskierst du dein Privatvermögen oder nur deine Einlage?
- Steuern – Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer? Das macht einen enormen Unterschied.
- Aussenwirkung – Manche Kunden und Partner nehmen eine GmbH ernster als ein Einzelunternehmen.
Viele gründen als Einzelunternehmen, weil es am einfachsten ist – und merken erst bei der ersten grossen Rechnung, dass sie mit ihrem Privatvermögen haften. Denk vorher nach, nicht nachher.
Die wichtigsten Rechtsformen im Vergleich
Einzelunternehmen / Einzelfirma
Die mit Abstand beliebteste Rechtsform. In Österreich sind über 76 % aller Unternehmen Einzelunternehmen. In der Schweiz machen Einzelfirmen knapp zwei Drittel der Neugründungen aus. Kein Wunder: Du brauchst kein Startkapital, keine Notartermine, keinen Gesellschaftsvertrag.
Aber: Du haftest mit allem, was du hast. Haus, Auto, Sparkonto – alles steht auf dem Spiel. Und ab einem gewissen Gewinn zahlst du bis zu 45 % Einkommensteuer (in Deutschland). Das tut weh.
Passt zu dir, wenn: Du alleine startest, dein Risiko überschaubar ist und du erstmal testen willst, ob dein Geschäftsmodell funktioniert.
UG (haftungsbeschränkt) – nur in Deutschland
Die UG ist die kleine Schwester der GmbH. Du kannst sie schon ab 1 Euro Stammkapital gründen. Klingt gut, hat aber einen Haken: Du musst jedes Jahr 25 % deines Gewinns zurücklegen, bis du die 25.000 Euro einer GmbH zusammen hast.
Passt zu dir, wenn: Du in Deutschland gründest, wenig Startkapital hast, aber trotzdem dein Privatvermögen schützen willst.
GmbH
Der Klassiker unter den Kapitalgesellschaften. Haftung beschränkt auf die Einlage. Professionelles Image. Steuerlich ab etwa 60.000 Euro Gewinn oft günstiger als ein Einzelunternehmen.
Die Mindestkapitalanforderungen unterscheiden sich je nach Land:
- Deutschland: 25.000 € (davon mindestens 12.500 € bei Gründung)
- Österreich: 10.000 € (davon 5.000 € bei Gründung – seit 2024 gesenkt)
- Schweiz: 20.000 CHF (muss vollständig einbezahlt werden)
Passt zu dir, wenn: Du ernsthaft wachsen willst, mit Geschäftskunden arbeitest oder dein finanzielles Risiko begrenzen möchtest.
AG (Aktiengesellschaft)
Die AG ist die Königsklasse. In Deutschland brauchst du 50.000 Euro, in der Schweiz sogar 100.000 CHF Mindestkapital. Dafür kannst du Anteile als Aktien ausgeben, was die Kapitalbeschaffung erleichtert.
Passt zu dir, wenn: Du ein grösseres Unternehmen planst, Investoren einbinden willst oder langfristig einen Börsengang anstrebst.
Steuern: Der unterschätzte Faktor
Hier wird es richtig spannend. Denn die Rechtsform bestimmt, wie du besteuert wirst.
Einzelunternehmen: Dein Gewinn wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert (bis 45 % in DE / bis 55 % in AT).
GmbH/UG/AG: Die Gesellschaft zahlt Körperschaftsteuer (ca. 15 % in DE + Gewerbesteuer). Wenn du dir Geld auszahlst, kommt nochmal Kapitalertragsteuer dazu. Trotzdem ist es ab einem gewissen Gewinn deutlich günstiger.
Die Faustregel: Verdienst du unter 40.000 bis 50.000 Euro Gewinn pro Jahr, fährst du als Einzelunternehmen steuerlich meist besser. Darüber lohnt sich der Blick auf eine GmbH.
Besonderheiten in der DACH-Region
Die drei Länder haben ähnliche Rechtsformen, aber unterschiedliche Spielregeln.
Wann wechseln? Der richtige Zeitpunkt
Viele starten als Einzelunternehmen und wechseln später zur GmbH. Das ist ein völlig normaler Weg. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt?
Ein Wechsel ist möglich, aber nicht gratis. Rechne mit Notar- und Beratungskosten. Lass dich von einem Steuerberater beraten – das Geld ist gut investiert.
Was du jetzt tun solltest
Mach dir keine Sorgen, die perfekte Rechtsform von Anfang an zu finden. Die meisten erfolgreichen Unternehmen haben ihre Rechtsform im Laufe der Zeit geändert.
Starte mit der Rechtsform, die zu deiner aktuellen Situation passt. Wenn du alleine loslegst und erstmal ausprobieren willst: Einzelunternehmen. Wenn du von Tag eins weisst, dass du Haftungsrisiken hast oder schnell wachsen willst: GmbH oder UG. Und sobald sich deine Situation ändert, passt du an. Nicht umgekehrt.
Die Rechtsform ist ein Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Wähle das Werkzeug, das jetzt zu deinem Job passt – und tausch es aus, wenn der Job grösser wird.