Gewerbebewilligungen, Lizenzen und Genehmigungen – was brauchst du wirklich?
Du willst dich selbstständig machen. Businessplan steht, erste Kunden sind in Sicht. Und dann stolperst du über Begriffe wie Betriebsbewilligung, Konzession oder Berufsausübungsbewilligung. Plötzlich fühlst sich alles nach Behördenmarathon an.
Keine Sorge. Es ist weniger schlimm, als es klingt. Aber ignorieren darfst du es auch nicht, denn wer ohne nötige Bewilligung arbeitet, riskiert Bussen oder Betriebsschliessungen.
Braucht jeder eine Gewerbebewilligung?
In der Schweiz gibt es keine allgemeine Gewerbeanmeldepflicht. Du kannst als Einzelunternehmer loslegen, ohne dich bei einer Gewerbebehörde zu melden. Einen Handelsregistereintrag brauchst du erst ab 100'000 CHF Jahresumsatz (oder bei GmbH/AG).
In Deutschland brauchst du für fast jede gewerbliche Tätigkeit eine Gewerbeanmeldung. Ausnahmen gelten für Freiberufler. Die Anmeldung kostet 20 bis 65 EUR und ist schnell erledigt.
In Österreich unterscheidet man zwischen freien Gewerben (einfach anmelden) und reglementierten Gewerben (Befähigungsnachweis nötig).
Branchen mit speziellen Bewilligungen
Gastronomie und Lebensmittel
Für Restaurants, Foodtrucks oder Catering brauchst du in der Schweiz eine Betriebsbewilligung der Gemeinde, je nach Kanton ein Wirtepatent und eine Bewilligung des Lebensmittelinspektorats. Deutschland verlangt eine Gaststättenerlaubnis plus Gesundheitszeugnis. Österreich stuft Gastgewerbe als reglementiertes Gewerbe ein.
Auch wer „nur" Kuchen oder Konfitüre von daheim verkauft, unterliegt in allen drei Ländern den Lebensmittelhygienevorschriften. Eine Registrierung bei der zuständigen Behörde ist Pflicht.
Handwerk und Bau
In der Schweiz gibt es keinen Meisterzwang. Für Installationsarbeiten (Elektro, Sanitär, Gas) brauchst du aber eine Installationsbewilligung. In Deutschland gilt der Meisterzwang für 53 Handwerksberufe. In Österreich sind die meisten Handwerksberufe reglementiert und verlangen einen Befähigungsnachweis.
Gesundheit und Wellness
Klassische Gesundheitsberufe wie Physiotherapie oder Psychotherapie sind überall stark reguliert. Ohne anerkannte Ausbildung und Berufsausübungsbewilligung geht nichts. Auch Tattoostudios brauchen je nach Kanton eine Betriebsbewilligung.
Berufe wie Personal Training, Yoga oder Ernährungsberatung sind in der Schweiz weitgehend unreguliert. In Deutschland gelten Trainer und Coaches oft als Freiberufler.
Kreativ und Digital
Gute Nachricht für Webdesigner, Grafiker, Texter oder Programmierer. In der Schweiz brauchst du keine spezielle Bewilligung. In Deutschland zählen viele dieser Tätigkeiten als freiberuflich.
Ausnahme beim Drohneneinsatz, da brauchst du in der Schweiz eine Registrierung beim BAZL und je nach Flugzone eine Bewilligung.
So findest du heraus, was du brauchst
Das Wichtigste auf einen Blick
Nicht jede Selbstständigkeit braucht eine Bewilligung. Aber viele brauchen mehr, als Gründer anfangs denken. Die Kreativbranche hat es leicht, Gastronomie und Gesundheit haben es schwerer.
Nimm dir die Zeit, das vor dem Start zu klären. Es dauert meistens nur ein paar Telefonate oder E Mails. Und dann kannst du dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt.