Du willst gründen, aber die Idee fehlt. Oder du hast eine Idee, aber null Erfahrung in der Branche. Dann stolperst du irgendwann über Franchise-Angebote. McDonald's, BackWerk, Mrs.Sporty. Alles klingt nach bewährtem Konzept, fertigem Business, weniger Risiko.
Aber stimmt das? Oder kaufst du dir mit einer Franchise-Lizenz einfach nur ein teures Hamsterrad?
Was Franchising eigentlich ist
Du nutzt das Geschäftskonzept eines bestehenden Unternehmens (Franchisegeber) gegen eine Gebühr. Du bekommst die Marke, die Prozesse, das Marketing, manchmal sogar die Einrichtung und führst damit deinen eigenen Standort.
Du bist rechtlich selbstständig und trägst das unternehmerische Risiko. Aber du arbeitest nach den Regeln des Franchisegebers. Du bist also dein eigener Chef, aber nicht ganz frei.
In der DACH-Region gibt es rund 1'800 Franchise-Systeme mit über 180'000 Franchise-Partnern. Die Branche wächst seit Jahren stabil. Besonders stark: Gastronomie, Fitness, Dienstleistungen und Bildung.
Die Kosten
Bevor du dich für ein Franchise begeisterst, musst du die Kostenstruktur verstehen. Denn die hat es in sich.
Da ist zunächst die Eintrittsgebühr, eine einmalige Zahlung für die Lizenz. Je nach System zwischen 5'000 und 50'000 CHF, bei grossen Marken auch sechsstellig. Dann kommen die laufenden Gebühren von meistens 3 bis 8 Prozent deines Umsatzes. Nicht deines Gewinns, wohlgemerkt. Deines Umsatzes.
Dazu kommen oft Marketingumlagen, Pflichtabnahmen bei bestimmten Lieferanten und die Investitionskosten für den Standort selbst. Bei einem klassischen Gastro-Franchise landest du schnell bei 200'000 bis 500'000 CHF Gesamtinvestition.
Viele Franchise-Geber zeigen dir in der Präsentation die Umsatzzahlen der besten Standorte. Frag gezielt nach dem Median – also dem mittleren Standort. Und nach der Ausfallquote. Das sagt mehr als jede Hochglanzbroschüre.
Chancen
Bewährtes Konzept. Du musst das Rad nicht neu erfinden. Die Geschäftsidee wurde getestet, optimiert und funktioniert an anderen Standorten. Das senkt dein Risiko im Vergleich zu einer komplett eigenen Gründung.
Markenbekanntheit. Du startest nicht bei null. Wenn du ein Subway oder ein Engel & Völkers eröffnest, kennen die Leute die Marke. Das spart dir Jahre an Aufbauarbeit.
Support und Schulung. Gute Franchise-Systeme bilden dich aus, begleiten dich beim Start und helfen bei Problemen. Du bist Unternehmer, aber nicht allein.
Risiken
Eingeschränkte Freiheit. Du willst das Sortiment anpassen? Die Öffnungszeiten ändern? Vergiss es. Im Franchise-Vertrag steht meistens haargenau, was du darfst und was nicht.
Laufende Kosten fressen die Marge. 5 Prozent vom Umsatz klingt harmlos. Aber wenn deine Marge bei 15 Prozent liegt, gibst du ein Drittel deines Gewinns ab. Jeden Monat.
Abhängigkeit vom System. Wenn der Franchisegeber Fehler macht, leidest du mit. Du hast keinen Einfluss darauf, trägst aber die Konsequenzen.
Vertragliche Bindung. Franchise-Verträge laufen oft 10 bis 20 Jahre. Ausstieg? Kompliziert und teuer.
Für wen lohnt sich Franchising?
Franchise passt zu dir, wenn du branchenfremd bist und trotzdem gründen willst, wenn du Sicherheit durch erprobte Prozesse schätzt und kein Problem damit hast, nach festen Regeln zu arbeiten. Ausserdem brauchst du genug Eigenkapital, oft 30 bis 50 Prozent der Investitionssumme.
Franchise passt dagegen nicht, wenn du maximale Freiheit brauchst, eigene Ideen verwirklichen willst oder mit kleinem Budget startest. Auch wenn du lieber digital und ortsunabhängig arbeitest, ist ein Franchise selten der richtige Weg.
Das Fazit
Franchising ist kein schlechtes Modell. Aber es ist auch kein Selbstläufer. Sicherheit gegen Freiheit, bewährte Prozesse gegen hohe laufende Kosten, Markenbekanntheit gegen Abhängigkeit.
Wenn du genug Kapital hast und eine bestimmte Branche anpeilst, in der du keine Erfahrung hast, dann kann ein gutes Franchise-System der richtige Einstieg sein. Aber wenn du kreativ bist oder die volle Kontrolle über dein Business willst, bist du mit einer eigenen Gründung besser bedient.
Am Ende ist die beste Gründung die, bei der du abends weisst, wofür du gearbeitet hast und dass der Gewinn auch bei dir bleibt.