Du machst alles alleine. Buchhaltung, Kundenakquise, Produktion, Support. Irgendwann merkst du: So geht das nicht weiter. Du brauchst Hilfe. Aber wie stellt man als Einpersonenunternehmen den ersten Mitarbeiter ein – ohne sich finanziell zu übernehmen oder die falsche Person auszuwählen?
Genau darum geht es hier. Kein HR-Fachchinesisch, sondern konkrete Antworten auf die Fragen, die du dir gerade stellst.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die ehrliche Antwort: Wenn du regelmässig Aufträge ablehnst oder Deadlines reisst, weil du nicht hinterherkommst. Viele warten zu lange. Sie denken, sie müssten erst «gross genug» sein. Aber genau das verhindert das Wachstum.
Ein guter Indikator: Rechne aus, wie viele Stunden pro Woche du mit Aufgaben verbringst, die nicht direkt Umsatz bringen. Wenn es mehr als 15 Stunden sind, lohnt sich Unterstützung – selbst wenn es nur ein Minijob ist.
Stell ein, bevor du es «unbedingt» musst. Wenn der Druck zu gross ist, triffst du übereilte Entscheidungen – und die kosten dich am Ende mehr als ein paar Monate Gehalt.
Festanstellung, Minijob, Werkstudent oder Freelancer?
Bevor du eine Stellenanzeige schreibst, überleg dir: Welche Art von Unterstützung brauchst du eigentlich? Die Unterschiede sind grösser als du denkst.
Mein Tipp: Viele Gründer starten mit einem Minijob oder Werkstudenten, um zu testen, ob die Zusammenarbeit funktioniert – und stocken dann auf.
Was kostet dich ein Mitarbeiter wirklich?
Hier verschätzen sich die meisten. Du zahlst nicht nur das Bruttogehalt. Rechne mit einem Aufschlag von 20–30 % für Sozialabgaben: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung, Umlagen.
Bei einem Minijob sieht es anders aus: Du zahlst pauschal rund 30 % auf den Verdienst (Pauschalbeiträge + Umlagen). Bei 556 € monatlich sind das etwa 720 € Gesamtkosten. Deutlich überschaubarer.
So findest du die richtigen Leute – auch ohne HR-Abteilung
Grosse Jobbörsen wie StepStone oder Indeed funktionieren – aber sie kosten und bringen viel Streuverlust. Als kleines Unternehmen hast du andere Trümpfe.
Die grössten Fehler beim ersten Einstellen
- Mini-Me einstellen: Du suchst jemanden, der genau so denkt wie du. Aber du brauchst jemanden, der deine Schwächen ausgleicht.
- Zu wenig zahlen: Gute Leute kosten Geld. Wer am Gehalt spart, zahlt doppelt – durch Fluktuation und schlechte Arbeit.
- Bürokratie ignorieren: Betriebsnummer bei der Arbeitsagentur beantragen, Sozialversicherung anmelden, Arbeitsvertrag aufsetzen – das muss alles stehen, bevor Tag 1 beginnt.
- Keine Einarbeitung planen: Auch wenn ihr nur zu zweit seid – ein Plan für die ersten zwei Wochen macht den Unterschied.
Allrounder oder Spezialist?
In der Frühphase sind Allrounder Gold wert. Jemand, der morgens Social Media macht, mittags Kundenanfragen beantwortet und nachmittags beim Versand hilft. Spezialisten lohnen sich erst, wenn du genug Arbeit für eine klar definierte Rolle hast.
Frag dich: Welche Aufgabe frisst die meiste Zeit und bringt den wenigsten Spass? Genau dafür suchst du als Erstes jemanden.
Was du rechtlich beachten musst
Klingt nach viel? Ist es am Anfang auch. Aber das meiste erledigst du einmal – und dann läuft es. Viele Steuerberater übernehmen die Lohnbuchhaltung für 30–50 € pro Mitarbeiter und Monat. Das lohnt sich fast immer.
Fazit: Trau dich
Den ersten Mitarbeiter einzustellen fühlt sich an wie ein Riesensprung. Ist es auch. Aber es ist der Sprung, der dich vom Selbständigen zum Unternehmer macht. Fang klein an – ein Minijob oder eine Werkstudentenstelle reicht für den Anfang. Teste, lerne, skaliere.
Starte mit einer klar definierten Rolle, wähle die passende Beschäftigungsform und rechne realistisch. Dein erster Mitarbeiter muss kein Volltreffer sein – aber die Entscheidung, jemanden einzustellen, ist fast immer richtig, wenn du an der Kapazitätsgrenze arbeitest.