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Barrierefreiheit auf deiner Webseite: Was das BFSG für dich bedeutet

Barrierefreiheit auf deiner Webseite: Was das BFSG für dich bedeutet

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Klingt sperrig, hat aber echte Konsequenzen: Wer digitale Produkte oder Dienstleistungen für Endkunden anbietet, muss seine Webseite barrierefrei gestalten. Keine Empfehlung – eine gesetzliche Pflicht.

Doch was heisst das konkret? Musst du als Freelancer oder kleines Unternehmen jetzt deine komplette Webseite umbauen? Oder bist du von der Regelung ausgenommen? Hier bekommst du einen klaren Überblick – ohne Jura-Deutsch.

Was ist das BFSG überhaupt?

Das BFSG setzt den European Accessibility Act (EAA) in deutsches Recht um. Ziel: Digitale Angebote sollen für alle Menschen nutzbar sein – egal ob mit Sehbehinderung, motorischer Einschränkung oder kognitiver Beeinträchtigung.

Betroffen sind grundsätzlich alle B2C-Unternehmen, die digitale Dienstleistungen anbieten. Also: Online-Shops, Buchungsportale, Banking-Apps, aber auch einfache Webseiten mit Kontaktformularen oder Produktkatalogen.

Achtung: Seit Juni 2025 wird kontrolliert

Die Marktüberwachungsstelle (MLBF) prüft seit September 2025 aktiv Webseiten und digitale Dienste. Seit Januar 2026 werden Kontrollen intensiviert. Beschwerden von Nutzern können auch kleinere Anbieter ins Visier rücken.

Bist du betroffen?

Die gute Nachricht zuerst: Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein.

Aber: Sobald du physische Produkte verkaufst (z.B. einen Online-Shop betreibst), gilt die Ausnahme nicht. Dann musst du unabhängig von deiner Grösse die Barrierefreiheits-Anforderungen einhalten.

Für die Schweiz und Österreich

Das BFSG ist ein deutsches Gesetz, basiert aber auf der EU-Richtlinie EAA. Österreich hat den EAA mit dem Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) umgesetzt – ähnliche Pflichten gelten dort seit Juni 2025. Die Schweiz hat kein direktes Pendant, aber das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) stellt ebenfalls Anforderungen an digitale Barrierefreiheit – besonders für öffentliche Stellen und konzessionierte Unternehmen.

Was musst du an deiner Webseite ändern?

Die technische Grundlage sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1, Level AA). Klingt kompliziert, lässt sich aber auf vier Grundprinzipien herunterbrechen:

Die vier WCAG-Prinzipien
1
1. Wahrnehmbar
Alle Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass Nutzer sie wahrnehmen können. Bilder brauchen Alt-Texte, Videos brauchen Untertitel, Texte brauchen ausreichend Kontrast. 2.

Konkrete Massnahmen: Was du heute schon tun kannst

Du musst kein Accessibility-Experte werden. Viele der wichtigsten Anpassungen sind überraschend einfach:

Barrierefreiheits-Checkliste für deine Webseite
**Alt-Texte für alle Bilder** – Beschreibe kurz, was auf dem Bild zu sehen ist
**Kontrast prüfen** – Text muss sich klar vom Hintergrund abheben (Verhältnis mindestens 4.5:1)
**Tastatur-Navigation testen** – Drücke Tab und navigiere durch deine Seite. Funktioniert alles?
**Überschriften-Hierarchie** – H1, H2, H3 in logischer Reihenfolge, keine Ebene überspringen
**Links aussagekräftig benennen** – "Hier klicken" sagt niemandem etwas. Besser: "Zum Kontaktformular"
**Formulare mit Labels versehen** – Jedes Eingabefeld braucht eine sichtbare Beschriftung
**Schriftgrösse anpassbar** – Deine Seite muss bei 200% Zoom noch funktionieren
**Klickbereiche gross genug** – Mindestens 44×44 Pixel für Buttons und Links auf Mobilgeräten

Kostenlose Tools zum Testen

Bevor du einen Experten beauftragst, kannst du selbst prüfen, wo deine Webseite steht:

  • WAVE (wave.webaim.org) – Browser-Extension, die Barrierefreiheits-Probleme direkt auf der Seite markiert
  • axe DevTools – Prüft deinen Code auf WCAG-Verstösse
  • Lighthouse (in Chrome eingebaut) – Unter "Accessibility" bekommst du einen Score und konkrete Verbesserungsvorschläge
  • Contrast Checker (webaim.org/resources/contrastchecker) – Prüft, ob deine Farbkombinationen ausreichend Kontrast haben
Pragmatischer Einstieg

Starte mit dem Lighthouse-Check in Chrome (Rechtsklick → Untersuchen → Lighthouse → Barrierefreiheit). Der gibt dir einen Score von 0 bis 100 und zeigt die wichtigsten Probleme. Ein Score über 90 ist ein guter Anfang.

Was passiert, wenn du nichts tust?

Die Marktüberwachungsstelle kann Bussgelder verhängen: Bis zu 100'000 Euro bei schweren Verstössen. Realistischer für kleine Unternehmen sind Bussgelder bis 10'000 Euro. Dazu kommen mögliche Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände.

Aber mal ehrlich: Es geht nicht nur ums Geld. Rund 10% der Bevölkerung lebt mit einer Behinderung. Eine barrierefreie Webseite bedeutet, dass du keine Kunden ausschliesst. Und sie verbessert nebenbei auch dein SEO – Google belohnt gute Struktur, Alt-Texte und sauberen Code.

Barrierefreie Webseite: Aufwand vs. Nutzen
Vorteile
    Nachteile

      So gehst du es an – Schritt für Schritt

      Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Aber fang an:

      1. Status quo prüfen – Lighthouse-Check durchführen, grösste Baustellen identifizieren
      2. Niedrig hängende Früchte – Alt-Texte ergänzen, Kontraste anpassen, Überschriften-Hierarchie korrigieren
      3. Tastatur-Test – Einmal komplett durch die Seite tabben und Probleme notieren
      4. Formulare überarbeiten – Labels, Fehlermeldungen, Pflichtfeld-Kennzeichnungen
      5. Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen – Ja, das ist Pflicht. Eine Seite, die beschreibt, welchen Stand der Barrierefreiheit deine Webseite hat
      Das Wichtigste in Kürze

      Das BFSG gilt seit Juni 2025 für B2C-Unternehmen. Kleinstunternehmen (unter 10 Mitarbeitende, unter 2 Mio. € Umsatz) sind bei Dienstleistungen ausgenommen – nicht aber bei Produkten. Die Anforderungen basieren auf WCAG 2.1 (Level AA). Fang mit einem Lighthouse-Check an und arbeite die grössten Probleme ab. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess.

      Barrierefreiheit klingt nach viel Arbeit. Aber die meisten Anpassungen machen deine Webseite einfach besser – für alle Besucher. Und genau das ist doch der Punkt.

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