Altersvorsorge für Selbstständige. Warum du JETZT anfangen solltest
Steuern, Krankenkasse, die nächste Rechnung. Das sind die Themen, bei denen Freelancer sofort hellwach werden. Aber die eigene Rente? Die wird gekonnt ignoriert. Bis es zu spät ist.
Im Angestelltenverhältnis kümmern sich Arbeitgeber, Pensionskasse und AHV quasi automatisch um deine Zukunft. Als Freelancer macht das niemand. Ausser du selbst.
Du musst dafür kein Finanzgenie sein. Aber du musst anfangen. Und zwar jetzt, nicht mit 55.
Warum Selbstständige schlechter dastehen
Angestellte in der Schweiz haben ein Drei Säulen System. AHV (1. Säule), Pensionskasse (2. Säule), private Vorsorge (3. Säule). Alles wird automatisch vom Lohn abgezogen, alles läuft.
Als Freelancer zahlst du zwar AHV Beiträge, die sind Pflicht. Aber eine Pensionskasse hast du in der Regel nicht. Und die 3. Säule nutzt du wahrscheinlich nicht voll aus.
Viele Freelancer stehen nach 20 oder 30 Jahren Selbstständigkeit mit einer AHV Rente da, die nicht mal die Miete deckt. In der Schweiz liegt die maximale AHV Rente 2026 bei rund CHF 2'450 pro Monat. Versuch mal, davon in Zürich zu leben.
Selbstständige in der Schweiz erhalten im Schnitt 30-40 % weniger Rente als vergleichbare Angestellte. In Deutschland sieht es ähnlich aus: Wer als Freelancer nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat im Alter oft nur die Grundsicherung.
Das Drei Säulen System und was für dich gilt
1. Säule (AHV/IV bzw. gesetzliche Rente) In der Schweiz bist du als Freelancer AHV pflichtig. Deine Beiträge liegen je nach Einkommen zwischen 5,371 % und 10 %. In Deutschland sind viele Freelancer gar nicht rentenversicherungspflichtig, ausser sie gehören zu bestimmten Berufsgruppen. Im schlimmsten Fall bedeutet das null Einzahlung, null Rente. In Österreich zahlen Selbstständige über die SVS automatisch ein, aber die Höhe hängt stark vom gemeldeten Einkommen ab.
2. Säule (Pensionskasse, nur Schweiz) Als Angestellte bist du ab einem Jahreslohn von rund CHF 22'680 automatisch versichert. Als Freelancer nicht. Du kannst dich freiwillig einer BVG Stiftung anschliessen, zum Beispiel über deinen Berufsverband. Für viele ist die Säule 3a aber die bessere Option.
3. Säule (Private Vorsorge) Hier wird es richtig spannend. Die Säule 3a ist für Selbstständige das stärkste Vorsorge Instrument, vor allem steuerlich.
Für Deutschland gibt es die Rürup Rente (Basisrente), für Österreich die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Beide bieten Steuervorteile, aber mit anderen Spielregeln.
Was du jetzt konkret tun kannst
Es geht nicht darum, morgen CHF 30'000 irgendwo einzuzahlen. Es geht darum, ein System aufzubauen, das automatisch läuft. Wie ein Dauerauftrag für die Miete, nur eben für dein zukünftiges Ich.
Warum früh anfangen alles schlägt
Einfache Rechnung. Du zahlst ab sofort CHF 500 pro Monat in ein 3a Wertschriftenkonto ein. Angenommene Rendite von 5 % pro Jahr.
Nach 10 Jahren hast du ca. CHF 78'000 (eingezahlt hast du 60'000). Nach 20 Jahren sind es ca. CHF 206'000 (eingezahlt 120'000). Nach 30 Jahren stehen ca. CHF 418'000 auf dem Konto (eingezahlt 180'000).
Die Differenz zwischen eingezahltem Betrag und Endwert? Das ist der Zinseszins. Der funktioniert nur, wenn du ihm Zeit gibst. Wer mit 45 statt mit 30 anfängt, hat bei gleicher monatlicher Einzahlung am Ende weniger als die Hälfte. Nicht weil weniger eingezahlt wurde, sondern weil das Geld weniger Zeit hatte zu arbeiten.
Typische Ausreden (und warum sie nicht gelten)
«Ich verdiene zu wenig.» Auch CHF 100 pro Monat sind besser als nichts. Und den Steuervorteil nimmst du trotzdem mit.
«Mein Business ist meine Altersvorsorge.» Kann klappen. Kann aber auch nicht. Dein Business ist keine Pensionskasse. Es kann an Wert verlieren oder schlicht unverkäuflich sein.
«Ich kümmere mich später drum.» Siehe Zinseszins Rechnung oben. Später bedeutet weniger. Punkt.
ETF, Sparkonto oder Immobilie?
Für die Säule 3a hast du zwei Optionen. Sparkonto oder Wertschriften. Das Sparkonto ist «sicher», bringt aber kaum Rendite (aktuell um die 1 %). Wertschriftenlösungen, also vor allem Indexfonds und ETFs, schwanken zwar, haben historisch aber deutlich besser abgeschnitten. Wenn du noch 15 und mehr Jahre bis zur Pensionierung hast, spricht wenig gegen einen hohen Aktienanteil.
Eröffne 3-5 verschiedene 3a-Konten und verteile deine Einzahlungen. Bei der Auszahlung wird jedes Konto separat besteuert. Gestaffelter Bezug über mehrere Jahre spart dir schnell ein paar tausend Franken.
Immobilien können auch Teil deiner Vorsorge sein. Sie sind aber illiquide, erfordern Kapital und Unterhalt und ersetzen keine diversifizierte Vorsorge.
Das Minimum für heute
Du hast bis hierhin gelesen. Das Thema beschäftigt dich also. Jetzt kommt der unangenehme Teil. Mach etwas damit. Nicht nächste Woche. Heute. Öffne ein 3a Konto, richte einen Dauerauftrag ein, und vergiss es dann für den Rest des Jahres. Dein 65 jähriges Ich wird dir dankbar sein.
Denn als Freelancer hast du viele Freiheiten. Aber die Freiheit, deine Altersvorsorge zu ignorieren, solltest du dir nicht nehmen.